Die Vertreibung der Vitalienbrüder aus der Ostsee

Nach dem Friedensschluss von Skanör und Falsterbo 1395, der den Schlusspunkt unter den Krieg zwischen Dänemark und Mecklenburg setzte, lösten sich die Seeräuberhaufen nicht, wie im Vertrag gefordert, auf, sondern sammelten sich im Laufe des Jahres auf der Ostseeinsel Gotland. Gotland war auch nach dem Friedensschluss eine geteilte Insel. Die Mecklenburger hielten die Hauptstadt Visby, die Dänen die übrige Insel. 1397 bekam die mecklenburgische Seite durch eine militärische Aktion des Herzogs Erich gegen den dänischen Statthalter Sven Sture Gotland ganz in die Hand. Erich betrachtete Gotland ganz offensichtlich als Basis für die Rückgewinnung der Macht der Mecklenburger in Skandinavien. Kurze Zeit später starb der noch junge Herzog Erich. Nun entwickelte sich Gotland tatsächlich zu einer Seeräuberkolonie. Der heftig einsetzende Kaperkrieg der Vitalienbrüder gegen die Kaufleute in der Ostsee, unabhängig davon, woher sie stammten, brachte alle gegen die Seeräuberinsel auf: die Dänen, den Hochmeister des Deutschen Ordens und die Hanse. Das Haus Mecklenburg, unter dessen Herrschaft die Insel eigentlich stand, war hilflos. Besonders aufgerufen zum Handeln fühlte sich der Deutsche Orden, der als Ritterorden aus dem Kreuzzug Friedrich Barbarossas 1190 hervorgegangen war und in Preußen einen Ordensstaat gründen konnte. Im Winter 1397/98 zog der Hochmeister des Deutschen Ordens, Konrad von Jungingen, in aller Stille eine riesige Flotte zusammen: 4000 Mann in Rüstung und 400 Pferde auf 84 Schiffen. Am 17. März startete die Armada unter der Führung Johann Pfirts von Danzig aus. Die Aktion stand unter einem glücklichen Stern. In nur vier Tagen erreichte die Flotte Gotland.

Das Überraschungsmoment lag auf der Seite der Invasoren. Die Belagerung Visbys, das wegen seiner imposanten Stadtmauer an sich gut geschützt war, war nur von kurzer Dauer. Die Überlegenheit der Ordenstruppe war so groß, dass der Kampf für die Vitalienbrüder sinnlos schien. So kapitulierten sie und übergaben am 5. April 1398 dem Deutschen Orden die Insel.

Klaus Störtebeker und Goedeke Michels gehörten mit großer Wahrscheinlichkeit zu den Vitalienbrüdern auf Gotland. Einen sicheren Nachweis dafür gibt es allerdings nicht. Bis auf kleine Reste von Verbänden, die vor allem bei den Dänen Aufnahme fanden, wichen die Vitalienbrüder von der Ostsee in die Nordsee, wo sie von den friesischen Häuptlingen, die mit sich und ihren Nachbarn in ständiger Fehde lebten, mit offenen Armen empfangen wurden.

Zusammenfassung aus dem Buch „Die Vitalienbrüder, Klaus Störtebeker und die Seeräuber der Hansezeit“ von Dr. Matthias Puhle, Campus Verlag

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