Erläuterungen zum Badehaus der „Alwine Röttelpötsch“

Die Spaß- und Wellnessbäder des 20. und 21. Jahrhunderts sind Beispiele dafür, dass die körperliche Reinigung keineswegs Hauptzweck des Badens sein muss. Wir können dazu täglich die Wannen und Duschen in unseren Badezimmern benutzen. Solche Zimmer gehören in Mittel- und Nordeuropa erst seit dem 20. Jahrhundert zu jeder Wohnung. Nicht zuletzt die Vertreter der Hygienebewegung des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts behaupteten deshalb, dass Mittel- und Nordeuropäer früher Wasser und Bäder gemieden bzw. letztere als Bordelle benutzt hätten. Auch in historischen Studien der letzten beiden Jahrzehnte tauchen immer wieder solche Klischees auf. Besonders häufig werden solche Urteile mit Illustrationen aus spätmittelalterlichen Handschriften unterstrichen. Allerdings erscheinen diese Bilddokumente meist ohne ihren unmittelbaren Kontext, der deutlich macht, dass der Künstler überhaupt nicht die Absicht hatte, das Bild eines tatsächlich existierenden Bads wiederzugeben.

Das öffentliche Bad als Bordell – diesen Eindruck vermittelt die Buchmalerei aus einer burgundischen Handschrift (1470) des antiken Schriftstellers Valerius Maximus, ein Bild, das der Realität nicht entsprach. Männer und Frauen badeten, anders als auch auf dem Holzschnitt zu sehen, zumindest in den öffentlichen Bädern nicht gemeinsam und zudem bekleidet. Männer bedeckten sich mit einer „Bruoch“, Unterhose, oder einem Lendentuch. Frauen trugen ein Badekleid, das – laut einigen Bad-Inventarlisten – die Bader zur Verfügung stellen mussten. Vielfach überliefert sind dagegen die Holzauflagen für die Zuber, die als Tabletts für Speisen und Getränke dienen konnten. Allerdings hielten diese Abdeckungen gleichzeitig das Wasser warm und dienten darüber hinaus als Unterlagen für die beliebten Würfelspiele. Zu den Dienstleistungen der öffentlichen Bäder gehörten ebenso das Scheren des Bartes, das Schneiden der Haare und das „Zwahen“, das Waschen der Haare. Letzteres konnte auch mit warmen Kräuterumschlägen um den Kopf kombiniert werden, um leichte Beschwerden wie Kopfschmerzen, Ohrensausen oder Konzentrationsschwierigkeiten zu behandeln. Auch die Körpermassage, das „Riben“, galt als gesundheitliche Prophylaxe.

Wasserbäder auch als Mittel kultischer Reinigung lassen sich über einen sehr langen Zeitraum verfolgen. Seit mindestens vier Jahrtausenden hinterlassen menschliche Kulturen entsprechende archäologisch nachweisbare Spuren. Heutige Zeremonien wie die Taufe enthalten noch Restelemente dieser Verwendung von Wasser.

Das Bad als Bestandteil von Festen mit rituellem Charakter war nicht auf einen engeren religiösen Kontext beschränkt. Das Baden gehörte ganz allgemein zur Fest- und Alltagskultur, das geht aus der zunehmend detaillierten Überlieferung städtischer Archive hervor. Einen rituellen Ursprung hatte auch das „Hochzeitsbaden“ in den städtischen Bädern: Der Bräutigam traf sich vor der Eheschließung mit Verwandten und Vertrauten zum festlichen Baden, Essen und Trinken. An manchen Orten feierte die Braut in derselben Weise, allerdings nur, wenn dies in getrennten Räumen möglich war.

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