„Es wird kein weißer Ritter kommen!“

By 11. Oktober 2010Allgemein, Presse

Claudia Gaebel spielt als „Maria“ an der Seite von Sascha Gluth (Klaus Störtebeker) großes Theater. Foto: Pfaffe

Claudia Gaebel lebt ihre Rolle als Maria an Störtebekers Seite allabendlich aus

Selten war ich von einem Menschen so beeindruckt, wie von der jungen Schauspielerin, die in der Rolle der Maria bei den Störtebeker Festspielen 2010 an der Seite von Klaus Störtebeker steht. Die Rede ist von Claudia Gaebel (27), die im März diesen Jahres ihr Schauspielstudium an der Universität Mozarteum in Salzburg beendet hatte und nun auf der Insel Rügen ihre bisher größte Herausforderung gefunden hat.

Aufgewachsen in Königstein/Sachsen hatte sie schon immer eine gute Beziehung zur Insel Rügen. Schließlich besuchte sie beinahe jährlich im Sommer Oma und Opa oder Tante und Onkel in Sagard. „Mit 15 habe ich erstmals die Störtebeker Festspiele erlebt. Norbert Braun, damals in der Rolle des Helden, war für mich ein echtes Highlight. Überhaupt – dieses Freilichttheater hat mich so fasziniert und meinen Wunsch bestärkt, den ich schon von Kind an hatte, dass ich einmal Schauspielerin sein möchte“, erinnert sie sich noch heute. Nachdem sie ein Jahr auf Rügen gelebt und im Sassnitzer Ostsee-Gymnasium gelernt hatte, zog sie mit ihrer Mutter nach Hamburg. Nach dem Abitur begann sie, ihren Traum zu verwirklichen. Über Castingagenturen gelang es ihr, erste Rollen als Kleindarstellerin zu besetzen. Von 2003 bis 2005 erhielt sie eine Schauspielerausbildung an der Schule für Schauspiel in Hamburg. Doch sie wollte mehr. So hat sie sich an der Universität Mozarteum um ein Studium beworben und studierte schließlich die nächsten vier Jahre in Salzburg. Dafür hat Claudia Gaebel dann auch ihren festen Ausbildungsplatz in einer Werbeagentur aufgegeben.

Schon während des Studiums hat sie viele praktische Erfahrungen auf der Bühne des Salzburger Landestheaters, zum Beispiel als Trollprinzessin in „Peer Gynt“ und auch vor den Kameras (zum Beispiel ZDF „Das Duo“, ARD „St. Angela“, Kino „Paulas Geheimnis“) sammeln können.

„Vor der Kamera muss man immer sehr präzise sein“, stellt sie einen wesentlichen Unterschied heraus. „Beim Theater ist alles etwas freier, da hat man die Möglichkeit, die Rolle gestischer zu gestalten. Denn in den Proben entwickelt man Bilder, erfährt mehr über die Rolle und bereitet sich auf die Premiere vor. Erst nach der Premiere beginnt man, sich in der Rolle mit der Figur zu profilieren.“ Und weil ihr das auf der Störtebeker Bühne über alle Maßen gelingt, hat ihr das längst den Rang des Publikumslieblings als „Maria“, die ihren Klaus Störtebeker (Sascha Gluth) förmlich anbetet, eingebracht! Claudia Gaebel spielt nicht, sondern lebt ihre Rolle, die ihr auf den Leib geschrieben scheint. Sie verleiht Maria, die mit ihrem Großvater Yussuf (Manfred Reddemann) vor über 600 Jahren in Granada lebt, förmlich neues Leben. Und sie scheint allabendlich auf der Naturbühne das zu spüren, was Maria tatsächlich bewegt haben könnte.

Ein Fluch laste auf ihr, sagt der Großvater, und sie, noch ein ganzes Stück weit naiv, glaubt daran. Wenn sie jeden Tag am heiligen Brunnen zum Heiligen Antonius betet, dann werde eines Tages ein „Weißer Ritter“ kommen und sie von ihrem Fluch befreien. Es kommt aber kein „Weißer Ritter“, sondern der sich als Kaufmann tarnende Klaus Störtebeker, in den sich Maria unsterblich verliebt. Sie beginnt nachzudenken, rebelliert und nutzt ihren eigenen Kopf, um ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Sie will keinen „Weißen Ritter“, sondern ihren Kaufmann haben. „Es ist seltsam“, schmunzelt Claudia Gaebel. „Im letzten Jahr an der Schauspielschule sagte mein Dozent in einem anderen Zusammenhang zu mir, dass kein ’Weißer Ritter’ auf dem Pferd kommen werde. Und nun spiele ich hier in Ralswiek diese Rolle.“

„Die Rolle hat durchaus mit mir selbst etwas zu tun. Trotz der Schicksalschläge glaubt Maria an das Gute und hat als Leitmotiv Hoffnung und Liebe und auch die Lösung des Widerspruchs zwischen Kopf und Herz“, sagt die Schauspielerin, die das Zeug dazu hat, eine ganz große Künstlerin zu werden. Ein Glück und eine Bereicherung für das Ensemble der Störtebeker Festspiele, dass man Claudia Gaebel gewinnen konnte.

Und ich bin mir ganz sicher, dass dieses Engagement erst der Anfang einer großen Karriere der freundlichen, liebevollen und kreativen Schauspielerin ist, die mir im Gespräch echt das Gefühl vermittelte, sie schon ewig lange zu kennen …

Quelle: Rüganer Anzeiger

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