Störtebekers Gold – „Das Vermächtnis“ Historischer Hintergrund der Geschichte um den Schatz der Templer

Ralswiek (DR). Im Jahre 1395 wurde mit dem Frieden von Skanör und Falsterbo der mehr als sechsjährige Krieg zwischen Dänemark und Mecklenburg beendet. Damit verloren die Vitalienbrüder ihre Daseinsberechtigung. Sie büßten ihre Stützpunkte an Land ein und es blieb ihnen nur noch die Flucht. In mehrere Gruppen aufgesplittert segelten sie nach Russland, in die Nordsee und wahrscheinlich sogar in das Mittelmeer.

Bis Calais ist ihre Spur auf jeden Fall urkundlich nachzuweisen. Calais stand zu der Zeit unter englischer Besatzung – eine Folge des „Hundertjährigen Krieges“ zwischen England und Frankreich. 1395 ruhten die Waffen allerdings. Beide Seiten waren militärisch erschöpft. Diese Situation nutzte der junge englische König Richard II. um seine Macht im Inneren zu festigen. Er heiratete Isabella, die noch jugendliche Tochter des französischen Königs Karl VI. (1396) und verhaftete drei der fünf „Appellanten“ (1397) – mächtige Fürsten, die 1388 auf dem so genannten „Gnadenlosen Parlament“ seine unumschränkte Macht durch einen Regentschaftsrat entscheidend eingeschränkt hatten. Diese drei Fürsten wurden wegen Hochverrats zum Tode verurteilt. (1398) Einer von ihnen war Thomas v. Gloucester – ein Onkel König Richards, der bereits vor Prozessbeginn in Calais inhaftiert war und noch vor dem Urteilsspruch ermordet wurde. Allerdings sank auch Richards Stern sehr bald. Heinrich Bolingbroke, ebenfalls einer der „Appellanten“, der auf Lebenszeit in die Verbannung geschickt wurde, rebellierte gegen den König, nahm ihn gefangen und ließ ihn 1399 mit hoher Wahrscheinlichkeit ermorden. Am 13. Oktober 1399 ging Bolingbroke als Heinrich IV. in die Geschichte ein.

Um die Geschichte der Templer ranken sich unendlich viele Mythen und Legenden. Die Tempelritter – ihr voller Name lautet: „Die Armen Ritter Christi und des Tempels Salomonis“, waren ein geistlicher Ritterorden, der ursprünglich Pilgern im Heiligen Land Schutz und Beistand gewähren sollte. Die Gründung des Ordens ist datiert auf ca. 1119. Die Eroberung Jerusalems durch den 1. Kreuzzug liegt gerade zwanzig Jahre zurück. Die Templer zeichneten sich durch Kühnheit, Frömmigkeit und strenge Zucht aus. Sie beteiligten sich an fast allen Schlachten im Heiligen Land. Sie kämpften stets im vordersten Glied und waren immer die Letzten, die sich zurückzogen. Der ursprünglich arme Orden wurde durch Schenkungen und umfangreiche Privilegien im Laufe der Zeit immer reicher und mächtiger. Sie investierten ihre Gelder wohlüberlegt und waren die einzigen Christen, die Geld gegen Zins verliehen. Für Fürsten und Edelleute führten sie Konten, bekleideten hohe Posten als Finanzberater, bewahrten Schatztruhen und Kronjuwelen auf, zogen Steuern ein und geleiteten Geld und Werttransporte. So entstand im Laufe der Zeit ein gewaltiges Finanzimperium.

An der Spitze der Templer stand ein Großmeister. Ihm unterstanden ca. 7.000 Ritter, Sergeanten, dienende Brüder und Priester. Über fast alle Länder der westlichen Christenheit erstreckte sich ein Netz von mindestens 870 Burgen, Komtureien und Zweigniederlassungen. Sie verfügten über eine Flotte und ihre Kapitalmacht wurde von Päpsten und Königen genutzt. So auch vom französischen König Philipp dem Schönen. Doch die immensen Schulden der französischen Krone brachten Philipp dazu, die Templer unter dem fadenscheinigen Vorwurf der Ketzerei und der sexuellen Verworfenheit zu vernichten. Sie wurden beschuldigt das geheiligte Königreich Frankreich mit den geheimen und hinterhältigen Mitteln der Hexerei zu unterminieren. 1307 wurden sämtliche Komtureien und Ordenshäuser in Frankreich besetzt und die Tempelritter im Namen der Inquisition abgeführt, eingekerkert, gefoltert und getötet. Am 18. März 1314 wurde nach einem unendlich langen Prozessgezerre, in dem es mehr um den Einfluss von König oder Papst ging, der letzte Großmeister des Ordens, Jakob von Molay, in Paris verbrannt. Allerdings war es dem Papst gelungen, den Großteil der Ländereien der Templer und ihrer unbeweglichen Habe, den „Johannitern“ zu übertragen. Ob der unermessliche Schatz der Templer der französischen Krone zufiel oder nicht, ist bis heute umstritten.

Soweit die Fakten: Die Legenden sind nicht zu zählen. Einige wenige, die mit der diesjährigen Geschichte in Zusammenhang stehen, seien kurz erwähnt. Kurz vor dem Zugriff des Königs sollen 18 schwer beladene Schiffe der Templer den Hafen von La Rochelle verlassen haben. Höchstwahrscheinlich sind sie nach Schottland gesegelt. Die Templer, die sich dem Zugriff des französischen Königs entziehen konnten, flohen in der Regel nach Portugal oder Schottland. Henry Sinclair, ein schottischer Edelmann, soll 1395 oder 1398 nach Amerika gesegelt und dort in Neuschottland (so der heutige Name!) gelandet sein. Versteckte er den Schatz auf Oak Island, einer einsamen Insel vor der kanadischen Küste? Auf Oak Island wird noch heute nach dem Schatz gesucht. Kanadische Wissenschaftler haben seltsame Bodengestaltungen unter Wasser entdeckt, die möglicherweise künstlich angelegt wurden, als dieses Gebiet höchst wahrscheinlich als Teil der Insel noch über Wasser lag. Sie sehen, es gibt noch genug Stoff für die nächsten Geschichten in Ralswiek . . .

Quelle: Rüganer Anzeiger
Redakteur: Andreas Pfaffe

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